Die Kea Laverde Reihe

Schweigfeinstill von Friederike SchmöeSchweigfeinstill

Der erste Fall für Kea Laverde.

Meßkirch: Gmeiner-Verlag, Februar 2009
371 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 11,90
ISBN 3-89977-636-4

Auch als E-Book erhältlich.

Ärger für Ghostwriterin Kea Laverde: Erst raubt ein Einbrecher all ihre Unterlagen und stirbt kurz darauf bei einem Verkehrsunfall; dann wird ihr Kunde, der Aphasiker Andy Steinfelder, des Mordes beschuldigt. Gegen den Willen von Hauptkommissar Nero Keller nimmt Kea im winterlichen München den Kampf gegen ihre unsichtbaren Feinde auf. Ghostwriterin Kea Laverde in ihrem ersten Fall.

Leseprobe aus Schweigfeinstill

Ein Tag wie ein Fremdling. Der erste graue Schimmer des Tages quälte sich durch die Lamellen der Jalousien. Irgendwo musste es so etwas wie Licht geben. Ich zog die Beine an und fühlte dem Hämmern in meinem Kopf nach. Ich hatte einiges getrunken. Das Piranha ist kein Ort für Mineralwasser. Wie viele von Carlos durchtriebenen Drinks ich intus hatte, wusste ich allerdings nicht mehr. Das gehört zum Samstagabendspiel. Hier draußen gibt es nicht viele Vergnügungen, aber das Piranha gehört ohne jeden Zweifel dazu. Die Leute kommen aus Fürstenfeldbruck, Starnberg, sogar aus München. Wegen der Cocktails, die im Piranha einen legendären Ruf haben. Und natürlich wegen der Musik und der Leute, die man kennenlernt, ganz locker und ohne Verpflichtungen.

Ich rollte mich aus dem Bett und blieb ein paar Minuten auf dem Bettvorleger hocken, bis sich das Schwindelgefühl legte. Schließlich rappelte ich mich auf und wankte aus dem Schlafzimmer auf der Suche nach ein paar Aspirintabletten.

Aus der Erinnerung heraus fällt es mir schwer zu sagen, ob ich überrascht war, als ich den Mann hinter meinem Herd stehen sah. Ich muss überrascht gewesen sein, denn ich kannte den Kerl nicht und er war auch hundertprozentig nicht mein Typ. Fönfrisur und Slippers, so was kommt mir nicht ins Haus. Ich bin mir sicher, auch in seinem Gesicht Verblüffung gesehen zu haben, als ich stehen blieb, die Hand noch an der Klinke zur Küchentür. Er hielt die Espressokanne in der Faust, als brauche er ein Wurfgeschoss. Sah mich von oben bis unten an. Ich wurde mir schmerzlich meiner achtzig Kilo bewusst und der Tatsache, dass ich nur einen String und ein T-Shirt trug.

Ich nehme ja ganz gerne mal einen Mann aus dem Piranha mit nach Hause. Nur für eine Nacht. Etwas Festes ist nichts mehr für mich, besser, eine Frau kommt allein im Leben zurecht, dann gibt es keine Enttäuschungen. Aber für die Erotik tut ein Mann schon gut, und deswegen habe ich mir angewöhnt, samstags im Piranha nach geeigneten Exemplaren Ausschau zu halten. Ein wenig Intelligenz kann nicht schaden, und selbstverständlich müssen es Männer sein, die Spaß an runden weiblichen Formen haben. Wer mit einem Telegrafenmast ins Bett will, bitte, soll er, aber dafür bin ich nicht die richtige Kandidatin. Ich bin auch nicht traurig, wenn ich einige Wochen lang keinen Kerl finde, der meinen Ansprüchen genügt. Aber den Fuzzi, der nun die Espressokanne abstellte, sie aufschraubte und mit gewichtiger Miene den Kaffeesatz in die Spüle klopfte, hatte ich garantiert nicht mit nach Hause genommen. Ich mag keine Fönfrisuren. Und ich verabscheue Slippers.

„Morgen“, deklamierte er und grapschte sich die Dose mit dem Kaffeepulver. „Espresso?“ Er grinste mich an. Inzwischen ist mir klar, er hatte sich in diesem Moment schon wieder gefasst, hatte wohl die Absicht, sich davonzumachen, bevor ich aus den Federn kroch, aber nicht ohne ein anständiges Dope. Routiniert schraubte er die Kanne zusammen und stellte sie auf den Herd. Ich rückte sie weg, bis mir einfiel, dass ich eine gute Dosis Koffein vertragen würde. Also schob ich sie wieder zurecht.

„Hau ab.“

„Na, komm schon.“ Er grinste. Kurze Stummelzähne schwebten für einen Augenblick über seiner Unterlippe. Nein, danke. Mit diesem Knallkopf hatte ich nicht geschlafen, nicht einmal im Traum. „War es nicht schön mit mir?“

Ich war noch zu weggetreten, zu ausgelaugt von der Nacht im Piranha, den Drinks und der Musik. Sonst hätte ich etwas gemerkt. Aber in meinem derangierten Zustand war ich zu k.o., um ihn hochkant rauszuschmeißen. Ich hockte mich auf einen meiner Barhocker und lauschte dem Espresso, der leise zu summen begann, bis er sich brausend wie die Brandung des Mittelmeeres in die obere Hälfte der Kanne ergoss.

Er steckte den Kopf in meinen Kühlschrank und beäugte die ausgeweideten Fächer. „Keine Eier?“

„Fehlen dir welche?“

Er warf die Kühlschranktür zu und fühlte sich wie der Held in einem amerikanischen Film. Sorry, Darling. Für Eier mit Schinken reicht es nicht mehr.

„Verpiss dich!“, sagte ich, während ich mir eine Tasse angelte. „Und fang bitte keine Diskussion an.“

Er mimte den Enttäuschten. Ich griff in die Dose mit den Zuckertütchen, die ich in Cafés immer mitgehen lasse, und schleuderte ein paar in seine Richtung. „Zisch ab!“

Er schien einen Moment zu überlegen, zuckte die Achseln, griff nach einer Aktentasche und machte sich auf den Weg. Die Haustür schlug zu. Draußen schnatterten die Gänse los. Sie mögen keinen unbekannten Besuch. Ich rührte Zucker in den Espresso und kippte die erste Tasse. Goss den zweiten ein, während ich auf den Motor lauschte, der röchelnd ansprang. Mein Besucher gab Gas. Ich sollte mir die Autonummer merken, nur für den Fall, dachte ich, aber ich war zu müde und brauchte ein Aspirin. Oder zwei. Rasch rutschte ich vom Barhocker und ging ins Bad, wo ich meinen übel zugerichteten Erste-Hilfe-Schrank abtastete. Glücklich schüttelte ich zwei Brausetabletten in mein Zahnputzglas und gab Wasser dazu. Ich liebe das Sprudeln von Brausetabletten in Zahnputzgläsern. Es inspiriert mich. Doch seit diesem Tag wird das sanfte Schäumen überwuchert vom Kreischen und Knallen eines Verkehrsunfalls.

 

Fliehganzleis von Friederike SchmöeFliehganzleis

Der zweite Fall für Kea Laverde.

Meßkirch: Gmeiner-Verlag, Februar 2009
327 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 11,90
ISBN 978-3-8392-1012-3

Auch als E-Book erhältlich.

Larissa Gräfin Rothenstayn, die in der DDR aufwuchs und 1975 in den Westen fliehen konnte, bittet die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Dann wird sie in ihrem Schloss in Unterfranken von einem Unbekannten schwer verletzt, die Polizei spricht von versuchtem Mord. Kea arbeitet sich durch das Familienarchiv. Ihre Recherchen führen sie zurück in das Jahr 1968 und zu einem Verbrechen, das nie gesühnt wurde ...

 

Bisduvergisst von Friederike SchmöeBisduvergisst

Der dritte Fall für Kea Laverde.

Meßkirch, Gmeiner-Verlag, Februar 2010
274 Seiten, 12x20 cm, Paperback mit Spotlack, € 11,90
ISBN 978-3-8392-1034-5

Auch als E-Book erhältlich.

Sommer 2009, während der Landshuter Hochzeit. Als die 82-jährige Irma Schwand die niederschmetternde Diagnose Alzheimer erhält, beauftragt sie die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Die Autobiografie ist für ihre Enkelin Julika bestimmt. Doch kurz nach dem letzten Interview mit Irma wird das Mädchen ermordet aufgefunden. Während der Kokon des Vergessens sich immer enger um die alte Dame schließt, entdeckt Kea, dass Irma jahrzehntelang einen Mord gedeckt hat - ein Tat, die in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges geschah ...

 

Wieweitdugehst von Friederike SchmöeWieweitdugehst

Der vierte Fall für Kea Laverde.

Meßkirch: Gmeiner-Verlag, Juli 2010
277 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 9,90
ISBN 978-3-8392-1098-7

Auch als E-Book erhältlich.

Auf dem Münchner Oktoberfest stirbt ein 14-jähriger Junge in der Geisterbahn an einem Stromstoß. Schnell ist von Mord die Rede, das Medieninteresse ist riesig, es droht eine Massenhysterie. Ghostwriterin und bekennender „Wiesn-Muffel“ Kea Laverde begleitet ihren Freund Nero Keller, Hauptkommissar im LKA, bei den Ermittlungen. Dabei trifft sie auf Neta, die beruflich Kranken und Trauernden Geschichten erzählt, um deren Schmerz zu lindern. Kea ist fasziniert. Als Ghostwriterin interessiert sie sich für fremde Leben und freundet sich mit der Geschichtenerzählerin an. Als auf Neta ein Mordanschlag verübt wird, versucht Kea den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Sie stößt auf einen Sumpf aus Gier, Lügen und unerfüllter Liebe …

 

Wernievergibt von Friederike SchmöeWernievergibt

Der fünfte Fall für Kea Laverde.

Meßkirch: Gmeiner-Verlag Februar 2011
276 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 9,90
ISBN 978-3-8392-1135-9

Auch als E-Book erhältlich.

Die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde nimmt einen Auftrag ihrer ehemaligen Agentin Lynn Digas an. Der droht ein Geschäft durch die Lappen zu gehen: eine Reportage über den Tourismus in Georgien nach dem Augustkrieg von 2008. Lynns Reporterin Mira ist zwar nach Tiflis gereist, hat sich aber von dort aus nicht mehr gemeldet.

Kea tritt die Reise an. Als sie Kontakt zu Mira sucht, stellt sich heraus, dass Keas Kollegin auf einer Reise in das Höhlenkloster Vardzia an der türkischen Grenze spurlos verschwunden ist. In einer nahe gelegenen Schlucht ist eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche gefunden worden. Kea forscht nach. Kurz vor ihrem Verschwinden hatte Mira ein Konzert der deutsch-georgischen Mezzosopranistin Clara Cleveland, die eigentlich an der Bayerischen Staatsoper in München ein Engagement hat und von den Medien hochgelobt wird, besucht. Aber auch Clara ist nicht mehr aufzufinden …

Leseprobe aus Wernievergibt

    Sopo seufzte. »Das kann man so nicht beantworten.«

    »Warum nicht? Einer muss zuerst geschossen haben!«

    »Nein. Ich meine, es hat all die Jahre zuvor Probleme
    gegeben. Provokationen, ethnischen Hass auf beiden Seiten.
    « Sie stülpte die Sonnenbrille über ihr Gesicht.

    »Was denn für Provokationen?«

    »Lass sie in Frieden«, raunte Juliane. »Sie will nicht darüber
    sprechen. Merkst du das nicht?«

    Ich dachte an meine Agentin und ihren Hunger nach
    politischen Dimensionen in Reiseartikeln.

    »Mit uns war ein EU-Diplomat im Flugzeug«, sagte
    Juliane. »Ich habe seine Mailadresse. Frag den.«

    Ich glotzte, als sei soeben Prometheus vor mir von seinem
    Felsen gestiegen.
    »EU-Diplomat?«

    »Du warst auf dem Flug ja völlig neben der Mütze. Ein
    netter Kerl, seit Jahren im Auftrag der Europäischen Union
    als Sondergesandter für Georgien unterwegs.«

    »Das heißt …«

    »Ja, das bedeutet, dass die EU sich dafür interessiert, was
    hier in diesem Land passiert, und das ist verdammt noch mal
    wirklich notwendig. Stell dir vor, sie brechen uns Rheinland-
    Pfalz aus der Landkarte. Oder das Ruhrgebiet.«

    Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich das in die
    Depression stürzen würde. Politik interessierte mich nicht,
    aber diese Aussage würde Juliane fuchtig machen, und nach
    Zank stand mir nicht der Sinn. »Dann hätten wir einfach
    ein paar Meckerliesen weniger«, murmelte ich. Bei dem
    Fahrtwind konnte ich mich selbst kaum hören.

    »Gleich sind wir in Gori«, meldete sich Sopo zurück.
    Der angespannte Ausdruck auf ihrem Gesicht war verblasst.

 

Wasdunkelbleibt von Friederike SchmöeWasdunkelbleibt

Der sechste Fall für Kea Laverde.

Meßkirch: Gmeiner-Verlag Februar 2011
273 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 9,90
ISBN 978-3-8392-1199-1

Auch als E-Book erhältlich.

Angriff aus dem Cyberspace. Ghostwriterin Kea Laverde staunt nicht schlecht, als vor ihrem Haus weit vor den Türen Mnchens ein junger Mann seinen Roller parkt. Noch verwirrender ist die Geschichte, die Bastian Hut ihr auftischt: Er sei vor drei Jahren im Alter von 15 von Kriminellen als Hacker angeworben worden. Seine Erlebnisse habe er in einem Text zusammengefasst, aber er brauche die Hilfe der Ghostwriterin, um daraus ein Buch zu machen.

Kea sichtet die Aufzeichnungen. Sie hält den Jungen für einen Wichtigtuer, nimmt den Auftrag aber an, um ihre Kasse aufzubessern. Wenig später ist Bastian tot – und ein Hacker namens x03 in das Intranet des LKA in München eingedrungen …

Leseprobe aus Wasdunkelbleibt

„Du kennst den Zeitplan! Ihr alle kennt ihn! In drei Tagen hätte ich den Patch hochgeladen. Sämtliche Rechner wären innerhalb von weniger als dreißig Minuten aktualisiert und geschützt gewesen.“

Gewesen. Kea mit ihrem Feingefühl für Worte könnte zu einem einzigen Partizip eine Menge sagen.

„Das Defacing ist nicht unser größtes Problem. Unser Problem ist die Öffentlichkeit. Medien, Blogger und Co.“ Freiflug griff nach seiner Thermoskanne. „Magst du Kaffee?“

„Bloß nicht.“

„Die Presse hatte natürlich sofort Wind von der Sache. Die Reporter hängen uns am Arsch. Ich bin dran, sämtliche Webseiten mit dem Status von gestern hochzuladen, damit die echte Version online ist. Vorher muss durchgecheckt werden, ob irgendwelche Würmer in den Dateien rumkriechen, die das ganze Schlamassel morgen früh zur selben Zeit neu auslösen könnten.“

„Dann mach das.“ Nero stand auf. Seine Stimme zitterte. Ihm war übel. So übel wie nie zuvor in seinem Leben.

„Woncka will dich sehen.“

„Habe ich mir gedacht. Ich gehe sofort.“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Freiflugs Blick ausweichend, ging er zur Tür.

„Nero?“

„Ja?“ Er drehte sich um.

„Das hier ist nicht das ganze Leben.“

„Nein.“ Er verließ das winzige Büro. Am Türrahmen hielt er sich kurz fest. Ihn schwindelte.

 

Ein Toter, der nicht sterben darf von Friederike SchmöeEin Toter, der nicht sterben darf

Ein neuer Fall für Kea Laverde

Meßkirch: Gmeiner-Verlag Juli 2014
248 Seiten, 12x20 cm, Paperback
ISBN 978-3-8392-1612-5

Auch als E-Book erhältlich.

Was ist das Ich?  Alexa bekommt ein Herz transplantiert. Nun geschehen seltsame Dinge – lebt der Mann, der sterben musste, um sie leben zu lassen, in ihr weiter? Alexa forscht mit Ghostwriterin Kea Laverde nach und findet heraus, wer der Spender ist. Doch der ist an einem zweifelhaften Unfall gestorben ...

Ein nachdenklicher, psychologisch ausgeklügelter Krimi über die Suche nach dem Ich und die Frage, ob man ein anderer werden kann.